1. Vogelgrippe ist eine Geflügelkrankheit ("Klassische Geflügelpest"). Sie entsteht, wenn gering pathogene (nur schwache Krankheitssymptome auslösende) Influenza-Viren längere Zeit in Geflügelbeständen zirkulieren, und dabei in hoch-pathogene Formen mutieren. Diese genetischen Mutationen, die bei verschiedenen Typen ("H5", "H7") von Influenza-Viren auftreten, sind bisher fast ausschließlich in Geflügelbeständen beobachtet worden. Die mutierten Viren können zwar auf wildlebende Vögel übertragen werden (selten auch auf Säugetiere), breiten sich aber in der Natur kaum aus und halten sich sogar unter günstigen Bedingungen nur eine begrenzte Zeit.


2. Seit etwa 10 Jahren wird weltweit eine Zunahme von Ausbrüchen von hochpathogener Geflügelpest beobachtet. Die Ursache ist die Ausbreitung der Massentierhaltungen, durch die sich die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von hoch pathogenen Viren erhöht hat. Gleichzeitig hat die weltweite Verknüpfung der Geflügelindustrie die Gefahr einer interkontinentalen Ausbreitung von Viren wesentlich erhöht. So bezieht z.B. Bangladesh Eintagsküken aus Frankreich und USA, deutsche Eintagsküken werden nach Japan exportiert, usw..


3. Die Verbreitung der Vogelgrippeviren erfolgt auf verschiedene Weise durch Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten. Wegen der Fixierung auf eine angebliche Ausbreitung durch Wildvögel bleiben die tatsächlichen Zusammenhänge jedoch meistens ungeklärt. Hier wird eine völlig unbewiesene Hypothese, nämlich die angebliche Rolle von Wildvögeln, als billiges Alibi missbraucht, um die Rolle des Geflügelhandels zu vertuschen.


4. Dies gilt auch für den Vogelgrippeausbruch in Mastenten-Beständen in Mittelfranken. Offiziell ist die Herkunft der Viren und der Weg der Einschleppung bis heute ungeklärt. Die angebliche Einschleppung durch Wildvögel ist reine Phantasie und hat mit der Realität nichts zu tun.


5. Genetische Vergleiche zeigen, dass die H5N1-Asia-Viren ursprünglich aus russischen Geflügelbeständen in tschechisches Geflügel eingeschleppt worden sind. Von dort gelangten sie offenbar mit Legehennen, die nach Mittelfranken zum Schlachten geliefert wurden, in die Mastentenbestände. Nach Erkenntnissen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI, das zuständige Referenzlabor) zirkulierten die Viren in diesen Beständen unerkannt mehrere Wochen lang. In dieser Zeit wurde ein Teil der Enten geschlachtet; mit Viren kontaminiertes Tiefkühlgeflügel gelangte in den Handel und wurde auch nach der Entdeckung der Ausbrüche Wochen später nicht zurückgerufen.


6. Die Viren gelangten auch in Gewässer, vermutlich durch Geflügelmist, der als Naturdünger im Sommer beim Durchzug einer Regenfront ausgebracht worden war. Da alle infizierten Wildvögel an Fischteichen gefunden wurden liegt auch ein Zusammenhang mit Düngung von Fischgewässern mit Geflügelmist, und/oder mit kontaminiertem Fischbesatz nahe.


7. Kurz vor Weihnachten 2007 infizierten Schlachtabfälle von tiefgekühlten Enten, die an Hühner verfüttert worden waren, mehrere kleine Geflügelbestände in Brandenburg. Nach Angaben des FLI waren die Viren praktisch identisch mit Viren aus Mastenten, die in Mittelfranken eingelagert waren. Das beweist, dass auch in Deutschland mit Vogelgrippeviren infiziertes Geflügelfleisch in den Handel gelangen kann, weil es keine angemessenen Kontrollen großer Geflügel-Massentierhaltungen gibt.
Zum Glück starben in Brandenburg in drei infizierten Kleinbeständen nur wenige Hühner und Gänse. Es ist jedoch unklar, ob die gleichzeitige Ausbruchsserie in Polen, die schwere Verluste in mehreren großen Geflügelfarmen (fast 700.000 getötete Puten und Legehennen) zur Folge hatte, ebenfalls durch dieses Tiefkühlgeflügel ausgelöst wurde.


8. Freilandhaltungen spielen bei der Ausbreitung der Vogelgrippe in Europa nachweislich überhaupt keine Rolle. Vogelgrippeviren vertragen weder Sonnenlicht, noch Austrocknung oder höhere Temperaturen; zudem hat sich gezeigt, dass Kontakte zu infizierten Wildvögeln in der Realität nicht vorkommen. Dennoch konzentrieren sich die prophylaktischen Gegenmaßnahmen auf Freilandhaltungen, die durch die 2007 novellierte Geflügelpest-Verordnung grundsätzlich verboten sind, und nur quasi per Gnadenerweis der lokalen Veterinärbehörden "ausnahmsweise" genehmigt werden können.


9. Fazit: Geflügel-Massentierhaltungen sind ein erhebliches Gesundheitsrisiko, da sie die Entstehung von hoch pathogenen Influenzaviren begünstigen. Gefährdet werden dadurch auch naturnäher wirtschaftende Geflügelbetriebe, aber auch Wildvögel. Die angeblichen Gegenmaßnahmen, insbesondere die Stallpflicht, haben sich als sinnlos, wenn nicht kontraproduktiv, erwiesen und sollten so schnell wie möglich beendet werden.


Dr. Peter Petermann

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Querverweis: Diese Zusammenstellung wurde in einer Pressemitteilung des Bundes Naturschutz e.V. Bayern verwendet.